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Der Fall Alf
Fallbericht von Practitioner Doris Prinstinger

Alf
Hoverwart, männlich, 3 Jahre
Problem: Unsicherheit, Beißen, Streß, Aggressivität
Behandlung: Grundausbildung

Alf war enorm unsicher, vor allem wegen der vielen anderen fremden Hunde und Menschen, was wahrscheinlich seinen Streßpegel noch anhob. Ich lernte den Hund auf Martina Simmerers Kurs kennen. Es war für den Besitzer der letzte Versuch, er wollte Alf einschläfern lassen. Der Hund war ihm über den Kopf gewachsen und das schlimmste war, daß er Angst vor Alf hatte. Alf schnappte nach den familieneigenen Kindern und auch nach fremden Personen. Ich versuchte Alf mit calming signals zu beruhigen und ging in den Pausen mit ihm und seinem Besitzer etwas spazieren.

Was mir sofort auffiel war, daß Alf permanent an Leine und Halti gezogen wurde. Der Besitzer sagte, ohne Halti konnte er mit Alf gar nicht mehr außer Haus gehen.

Ich versuchte ihm folgendes zu sagen:
1. Alf bekommt durch das dauernde Ziehen einen steifen Nacken - der brennt - tut weh - macht Streß.
2. Jedesmal wenn Alf einen Hund begegnet (auch wenn er den anderen Hund anwedelt) zerrt ihn Hartwig weg - das macht Streß.
3. Alf spürt die Unsicherheit seines Herrn - das macht Streß.
4. Streß macht aggressiv.

Zuerst versuche ich ihm das Spiel "Halti-Leine" zu zeigen. Alf reagiert erstaunlich schnell darauf, leider nicht sein Besitzer. Sobald ich weggehe, zieht er Alf wieder. Während des Tages wurden von Martina die einzelnen Touches gezeigt und ich versuchte Hartwig zu sagen, daß sein Hund nicht böse, sondern nur unsicher ist. Zum ersten Mal hörte er von calming signals. Ich machte ihn immer wieder aufmerksam, wenn Alf eines sendete. Während der Bodenarbeit war es nicht wirklich einfach, mich mit Hartwig zu koordinieren, trotzdem war Alf den Umständen entsprechend recht brav. (Sogar als ich den groben Fehler beging, mich über ihn zu beugen). Am Ende des ersten Abend waren Besitzer und Hund etwas entspannter.

Hartwig vertraute ihm aber immer noch nicht. Am nächsten Tag waren Alf und sein Besitzer wie ausgewechselt. Hartwig kam schon lächelnd herein und meinte, Alf (den er immer noch an der Leine zog) war am Abend sehr lieb und brav gewesen. An diesem Tag war es viel einfacher mit Hartwig zu arbeiten, er hörte mir mehr zu. In jeder Pause übten wir das Wechselspiel Halti-Leine bis Alf wirklich ruhig neben seinem Besitzer ging. Es war erstaunlich, wie schnell Alf auch auf das leichte Wackeln nur mit den Karabinern reagierte. Schließlich versuchten wir, zu den anderen Hunden zu gehen. Jedesmal wenn Alf sich verspannte, zeigte ich Hartwig wie man einen Hund mit der Stimme ablenken kann, ohne ihn an der Leine zu ziehen. (Außerdem wurde er dabei mit Leckerbissen vollgestopft.)

Bei den Hunden bei denen Alf freundlich wedelte ließen wir (der Besitzer anfangs mit großen Bedenken) den Kontakt zu. Alf konnte endlich andere Hunde beschnuppern. Am Ende des Abends lag Alf völlig entspannt mitten im Kreis. Auch sein Besitzer war viel entspannter. Hartwig griff sogar nach Alf ohne hinzusehen (früher hatte er ihn pausenlos im Auge, ob er nicht vielleicht schnappen würde), um ihn zu streicheln.

Die Bodenarbeit (Labyrinth, Leiter, Wippe, Reifen) war viel besser. Außerdem ließ ich Hartwig Hund spielen und zeigte ihm, wie sich zerren anfühlt. Dann ließ ich ihn die Augen schließen und wir versuchten gemeinsam herauszufinden, welche Führung die meiste Sicherheit und die klarsten Informationen gibt. Von diesem Zeitpunkt an kam Hartwig viel besser mit Leine und Halti zurecht.

4. August: Hartwig hat angerufen, daß es ihm mit Alf immer noch gut geht. Sie fahren jetzt gemeinsam mit Alf auf Urlaub. Auch zur Familie ist Alf ganz anders. Das einzige bei dem sich Hartwig vor Alf noch fürchtet ist, wenn Alf irgendeine Verletzung hat, und er ihn verarzten muß.